Meine Entwicklungshilfe – Das Vorbereitungsseminar

Entwicklungshilfe ist, wenn viele arme Leute eines reichen Landes wenigen reichen Leuten eines armen Landes Geld schenken.
(Autor unbekannt)

Schon liegt der Vorbereitungsseminar über zwei Wochen in der Vergangenheit.
Jetzt wird es langsam aber Zeit, diesen Beitrag mit einigen Gedanken zu veröffentlichen.
Doch die Zeit ist zu begrenzt und die Beantragung des Visa blinkt schon rot auf meiner Aufgabenliste. Dennoch ich möchte diesen Zeitpunkt nutzen und meine Eindrücke vom Seminar festhalten. 🙂

Die Förderrichtlinie für weltwärts (Seite 9) schreibt 12 Orientierungs- und Vorbereitungstage (davon 7 Tage in Deutschland) vor. So haben sich 20 Teilnehmende und fünf „Teamerinnen“ zum Vorbereitungsseminar in Dransfeld bei Göttingen getroffen.
Die Tagungsstätte liegt in einem wunderschönen Naturraum (Landschaft) auf einem erloschenen Vulkan (Hohe Hagen), nur einen Steinwurf vom Gaußturm entfernt. (Ja, der Mathefreak Herr Gauß hat von dort aus u.a. Hannover vermessen.)
Hier durften wir für zehn Tage im Haus Hoher Hagen leben, lernen und die Zeit genießen.
Es war wirklich eine gute und entspannte Zeit, mit vielen interessanten und aufgeschlossenen Leuten. (Thx)

Zum Tagesablauf: wenn ich mich richtig erinnere, gab es ab 8 Uhr Frühstück und um 9 Uhr ging die erste Einheit los. Meisten wurden manche aus der Truppe zuvor noch von der Natur beim Laufsport begrüßt. Nach der ersten Einheit hat sich ein Kochteam gefunden, das dass Mittag vorbereitet hat, welches dann irgendwann verspeist wurden ist. Nach der Mittagspause gab es ab 15 Uhr die zweite Einheit  und nach wiederholender Essensvorbereitung gab es dann das Abendbrot (meist kein Brot). Danach folgte dann die dritte Einheit oder eine andere Beschäftigung.
Im Seminarraum hing eine coole Übersicht aus Piktogrammen und Bilder, die zeigen sollten, welche Themen in den Einheiten am Morgen, am Nachmittag und am Abend behandelt werden sollten. (Eigentlich hatte ich mir fest vorgenommen davon ein Bild zu machen…)

Akteure im Programm weltwärts

Ein Mitfreiwilliger hat auf seinem Blog die Schwerpunkte der Einheiten sehr gut dargestellt: cagatay-geht-weltwaerts.
Im Groben ging es vor allem darum, herauszufinden das ich durch mein Umfeld geprägt bin und diese Prägung kritisch hinterfragt werden muss, um eher verstehen zu können, wie ein anderes Umfeld funktioniert. (Ein aufmerksamer Leser könnte sich jetzt an den ersten Beitrag erinnern.)

Alles schön und gut. Und was ist jetzt mit Entwicklungshilfe?

Seit den 1980er Jahren ist es nicht mehr üblich von „Entwicklungshilfe“ zu sprechen, vielmehr wird von „Entwicklungszusammenarbeit“ gesprochen. So soll verdeutlicht werden, das Länder in Afrika nicht „Empfänger von Hilfsleistungen [sind], sondern als gleichberechtigte Partner“ angesehen werden. (Quelle: BMZ)
Dennoch scheinen gerade bei der Entwicklungszusammenarbeit wirtschaftliche Interessen der Bundesregierung keine unbedeutende Rolle zu spielen und kann ein Land, das auf das Geld eines anderen Landes angewiesen ist, eine gleichberechtigte Rolle einnehmen?

Um auf das Zitat vom Anfang einzugehen, möchte ich folgenden Abschnitt aus einem Printmedium zitieren:

In Bezug auf die westlichen Entwicklungsgelder stellt Asserate fest, „dass der Westen etwa 800 Milliarden Euro Entwicklungshilfe nach Afrika gebracht habe (andere Schätzungen nennen den Betrag von bis zu zwei Billionen Dollar).

„Aber mehr als 600 Milliarden Euro sind in den Taschen afrikanischer Potentaten und korrupter Eliten gelandet – sie landeten dann auf Schweizer Konten oder wurden in Immobilien in Frankreich, London oder sonst-wo gesteckt.“ So schrieb Asserate jüngst in einem Gastbeitrag für die F.A.Z.

Wer profitiert von der Entwicklungshilfe oder der Zusammenarbeit am meisten?
Bin es vielleicht auch ich der in meinem Freiwilligendienst viel für das Leben mitnehmen kann?
Weltwärts ist ein Lerndienst und er ist für mich eine Weiter- Entwicklungshilfe. (Was ich dort erreichen kann werden wir sehen.)

Das sind u.a. Fragen die im Laufe des Seminars eine Rolle gespielt haben und man könnte feststellen, dass das Seminar durchaus politisch war. Das liegt wahrscheinlich auch daran, das es sich laut weltwärts- Beschreibung um einen „entwicklungspolitischen Freiwilligendienst“ handelt.

Es war auf jeden Fall spannend die Entwicklung der vielen jungen Leute und meiner Person zu beobachten. Ich glaube, wir konnten viel aus dem Seminar mitnehmen und uns weiterentwickeln. 😉

Jetzt muss ich mich aber um mein Visa kümmern.
Bis bald.