Meine Gastfamilie

Gastvater: Akwaaba! (Willkommen!)
Ich: Yaa egya. (Danke.)

So oder so ähnlich hätte die Begrüßung durch meine Gasteltern ablaufen können. Nur war ich leider  an diesem Montag so aufgeregt und geschafft, dass ich kein Fanti-Wort raus bekommen habe.

An diesem besagten  Montag lag eine lange Fahrt hinter mir. Am Morgen war ich noch gegen 8 Uhr am Strand in Accra joggen und musste schmunzeln, als ich daran gedacht habe, dass wir heute wirklich schon den Familien vorgestellt werden sollten. Doch dann ging es nach der letzten Einheit, im Schnelldurchlauf, schon gleich los.
Damit hatte ich nicht gerechnet und so musste ich in kürzester Zeit noch mein Zeugs zusammen suchen und verstauen. Im Stress hätte ich fast das Gruppenbild verpasst und meine Schuhe habe ich dann in letzter Sekunde vor der Abfahrt auch noch irgendwo gefunden.

Von Accra sind wir nach Swedru und von dort nach Asikuma gefahren. Während den Fahrten konnten wir unsere Mentorin über unsere Gastfamilien ausfragen und haben erfahren, dass ich und meine Mitfreiwillige in zwei Pastorenfamilien untergebracht sind. 🙂

Nun sitze ich im Hof eines Missionhouses und esse eine große Portion Banku mit der rechten Hand. Ich fühle mich ein wenig beäugt und nach einer Weile kommt mein Gastvater und drückt mir einen Löffel in die Hand. Ich denke mir: „So blöd habe ich mich doch eigentlich nicht angestellt.“
Meine Gastmama stellt sich mit sofu mamie vor, was soviel wie des Pastors Frau heißt. Sie ist eine sehr herzliche Frau und managet eigentlich das ganze Familienleben. Mein Gastvater und Pastor hat ein Headset im Ohr und ist die Ruhe selbst. Er ist damit beschäftigt den Hunden zu erklären, dass ich ein Freund bin.
Nachdem mein Gastbruder, der einzige Junge neben vier Mädels, mir die Kleinstadt im Dunkeln gezeigt hat, falle ich in mein Bett und möchte nur noch schlafen. Doch ich kann nicht einschlafen. Alles ist so neu und anders. Bin ich hier willkommen? Der Krach vom Fernseher dröhnt in mein Zimmer und es ist heiß. Warum habe ich  den Ventilator nicht eingeschalten?

Am nächsten Morgen wache ich in aller Frühe auf und bin fertig. Doch im Laufe der Woche gewöhne ich mich ein und kann von einer neuen Heimat sprechen. Selbst an den Gestank von Fisch und den Müll überall habe ich mich jetzt gewöhnen können. Unsere Laufstrecke ist auch schon gefunden und wir waren auch schon ein paar Mal laufen.

Was mich vor Allem nervt ist, dass jeder  ein Selfie mit mir machen will und sich unterhalten. Wenn man als Weißer durch die Straße läuft wird man von jedem gegrüßt. Meinen Gastgeschwistern habe ich schon abgewöhnen können, mir immer einen Stuhl hinter her zu tragen. Die absolute unnötige Krönung war, dass eine Oma für mich auf einer längeren (Auto-)Fahrt Platz gemacht hat. Und so blieb der Platz dann ungenutzt.
Aber was macht das mit mir? Ich kann mich im Augenblick nicht mehr auf einzelne Gespräche einlassen, weil ich mit der Vielzahl an Leuten überfordert bin. Um Selbstbewusstsein aufzubauen ist das vielleicht mal ganz schön, aber ich kann so den Menschen nicht auf Augenhöhe begegnen und etwas von ihnen lernen. Die Rolle des ,, Weißen“ist mir unangenehm und irgendwie auch langweilig. Mal sehen, was ich noch erlebe. Ich werde euch berichten!

Zur Wahl: Noch hast du die Wahl, noch kannst du in der Stadtverwaltung deinen Wahlbrief ausfüllen und mit einer taktischen Wahl einen Wahlsieg einer rechtspopulistischen Partei für unseren Wahlkreis verhindern. Info zur Wahl gibt es auch hier und hier.

😀
(Heute war ich das erste mal in einem Gottesdienst: der Pastor hat es heute nicht nach Asikuma geschafft, so wurde ohne ihn gefeiert.)

Viele Grüße, besonders an meine Familie
Jakob

Mein Abflug aus Europa

Ich bin in Ghana (angekommen). Ich bin müde, mir ist warm.

Am Mittwoch um 11:05 Uhr ist mein Flieger in Berlin abgehoben. Das heißt ich musste um 4:30 Uhr spätestens mit dem Packen fertig sein, damit ich mit dem Zug im Flughafen Berlin Tegel pünktlich ankommen kann.
Das Sachen zusammensuchen und zu packen hatte sich dann doch als etwas komplizierter und langwieriger als gedacht herausgestellt. Als Spende für das Krankenhaus hat mein Dad Einmalhandschuhe und Mundschutz organisiert.
Und so war ein Reiserucksack bis oben hin mit medizinischen Zeugs ausgestattet und ich hatte nur noch einen Rucksack für mein Einjahr-Reisegepäck übrig. So musste ich mein Gepäck stark reduzieren und auswählen was mir am wichtigsten erschien. Die Trennung von den einen oder anderen Sachen ist mir aber recht leicht gefallen. 😉

Ganz anderes als bei der Trennung, bzw. dem Abschied von meinen Freunde und meiner Familie. So kann der Gedanke (bzw Wissen), dass man sich ein Jahr lang nicht mehr sehen wird, (auch bei allem emotionaler Beherrschung) sehr schmerzhaft sein und ich beginne zu grübeln ob sich dieses Jahr überhaupt lohnt.
Es wird sich schon lohnen, und ich schiebe den Gedanken weiter.

Pünktlich wie geplant kam ich am Flughafen an, und hatte nur noch mein Gepäck abzugeben. Dabei hat sich herausgestellt, das beide Gepäckstück um etwa 1 kg über dem erlaubten Gewicht liegen und dass das Gepäckstück mit den Handschuhen und co als Sperrgepäck abzugeben ist. Das Sperrgepäck durfte ich dann irgendwo (im Keller) abgeben. Glücklicherweise wurde mir kein höherer Preis für das Übergewicht mitgeteilt.
Danach kam die Sichheitskontrolle, in der ich nur mein (extra Tags zuvor erworbenes) Sonnenspray abzugeben hatte. Meine (Salat-)Gabel und (m)eine Glasflasche (ohne Flüssigkeit) hat die Sicherheitskontrolle bestanden.(?) 🙂

Im Flug von Berlin nach London konnte ich von meiner Sitznachbarin viel über Sony lernen und der Flug von London nach Accra war unpünktlich, aber sehr entspannend. Ich hatte Zeit zwei Filme zu schauen und kann euch den Film CHURCHILL nur empfehlen.

Vegetarisches leckeres Essen

Mein erster Eindruck von Ghana folgt demnächst.