(M)eine Berichterstattung

Ich stamme ursprünglich aus einem Land, dessen Zivilisationsgrad vor noch nicht allzu langer Zeit von vielen Staaten der westlichen Welt belächelt und interessiert, aber von oben herab zur Kenntnis genommen wurde. Kein Wunder: Ganz in der Nähe gab es beispielsweise noch Stämme, die die Schädel ihrer verstorbenen Kinder bemalten (!) und sammelten.

Meine Großmutter, eine Eingeborene, hatte sechzehn Geschwister. Das Wasser kam selbstverständlich aus dem Dorfbrunnen statt wie heute aus dem Wasserhahn. Wenn es einmal regnete, wurde das Wasser eifrig gesammelt. Elektrizität hatte damals im Dorf natürlich kaum jemand. Auch heute noch kämpfen wir mit den in unserer Gegend üblichen Problemen: korrupte Politiker, ethnische Konflikte (was vielleicht kein Wunder ist, denn die Grenzen meines Landes waren noch nie länger als zwei Generationen dieselben), hohe Verschuldung und so weiter. In den letzten paar Jahrzehnten hat mein Land aber einen enormen Schritt nach vorne gemacht. Inzwischen ist es politisch recht stabil, und es kann heute auf einiges stolz sein:

  • Bei der Einteilung des Landes durch Gebietszuteilungen an einzelne ethnische Untergruppen, die vor etwa zwei Generationen stattfand, war einige Willkür im Spiel. Die Grenzen der fast teilsouveränen Stammesgebiete spiegelten nicht wirklich die genaue Besiedelung durch die jeweiligen Völker wider. Zudem variierten die Gebiete stark in ihrer Größe. Trotzdem kam es nicht zum Bürgerkrieg.
  • Seit über sechzig Jahren war das Land in keinen ethnischen Krieg mehr verwickelt. Kleinere „Scharmützel“ unter einzelnen ethnische Gruppierungen werden bisher gut unter Kontrolle gehalten.
  • Aus den vielen Dialekten, die im Land gesprochen werden, und von denen einige jeweils nur für Eingeborene desselben Gebietes verständlich sind (darunter auch reine Lautsprachen), wurde in einem friedlichen Prozess einer der Dialekte als Amtssprache ausgewählt. Ursprünglich wurde er zwar nur von einem relativ kleinen Stamm gesprochen, doch er setzte sich widerstandslos durch. Jeder im ganzen Land versteht nun zumindest rudimentär die offizielle Amtssprache (das können nicht alle Länder von sich behaupten)!
  • Seit ungefähr zehn Jahren gibt es bei uns flächendeckend Festnetz-Telefonanschlüsse. Das war noch bis weit in die neunziger Jahre hinein kaum vorstellbar.
  • Eine Episode der Militärdiktatur, in die einzelne Stammesgebiete zeitweise zurückfielen, konnte unblutig(!) beendet werden.
  • Die größte Herausforderung, die die Zivilisierung (die zugegebenermaßen durch äußere Kräfte erwirkt wurde) mit sich brachte, war für uns wohl der Umgang mit der Demokratie. Diesen meistern wir heute vorbildlich. Obgleich wir quasi „zu unserem Glück gezwungen“ wurden, konnten wir eine spektakulär positive wirtschaftliche und sozialpolitische Tendenz verzeichnen, die nicht zuletzt auf jahrelange umfangreiche Lieferung von Hilfsgütern, staatsbildende Entwicklungshilfe und auch militärische Präsenz fortschrittlicher zumeist westlicher Staaten zurückzuführen ist. Die neuen Landesgrenzen, die wie bei vielen afrikanischen Ländern nicht durch unseren Staat selbst, sondern durch die Regierungen anderer Länder gezogen worden sind, wurden durch die Regierung unseres Landes im Jahr 1990 sogar offiziell anerkannt.

Wer weiß um welches Land es sich hier handelt? Um Ghana, Togo oder Kenia?

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Meine Entwicklungshilfe – Das Vorbereitungsseminar

Entwicklungshilfe ist, wenn viele arme Leute eines reichen Landes wenigen reichen Leuten eines armen Landes Geld schenken.
(Autor unbekannt)

Schon liegt der Vorbereitungsseminar über zwei Wochen in der Vergangenheit.
Jetzt wird es langsam aber Zeit, diesen Beitrag mit einigen Gedanken zu veröffentlichen.
Doch die Zeit ist zu begrenzt und die Beantragung des Visa blinkt schon rot auf meiner Aufgabenliste. Dennoch ich möchte diesen Zeitpunkt nutzen und meine Eindrücke vom Seminar festhalten. 🙂

Die Förderrichtlinie für weltwärts (Seite 9) schreibt 12 Orientierungs- und Vorbereitungstage (davon 7 Tage in Deutschland) vor. So haben sich 20 Teilnehmende und fünf „Teamerinnen“ zum Vorbereitungsseminar in Dransfeld bei Göttingen getroffen.
Die Tagungsstätte liegt in einem wunderschönen Naturraum (Landschaft) auf einem erloschenen Vulkan (Hohe Hagen), nur einen Steinwurf vom Gaußturm entfernt. (Ja, der Mathefreak Herr Gauß hat von dort aus u.a. Hannover vermessen.)
Hier durften wir für zehn Tage im Haus Hoher Hagen leben, lernen und die Zeit genießen.
Es war wirklich eine gute und entspannte Zeit, mit vielen interessanten und aufgeschlossenen Leuten. (Thx)

Zum Tagesablauf: wenn ich mich richtig erinnere, gab es ab 8 Uhr Frühstück und um 9 Uhr ging die erste Einheit los. Meisten wurden manche aus der Truppe zuvor noch von der Natur beim Laufsport begrüßt. Nach der ersten Einheit hat sich ein Kochteam gefunden, das dass Mittag vorbereitet hat, welches dann irgendwann verspeist wurden ist. Nach der Mittagspause gab es ab 15 Uhr die zweite Einheit  und nach wiederholender Essensvorbereitung gab es dann das Abendbrot (meist kein Brot). Danach folgte dann die dritte Einheit oder eine andere Beschäftigung.
Im Seminarraum hing eine coole Übersicht aus Piktogrammen und Bilder, die zeigen sollten, welche Themen in den Einheiten am Morgen, am Nachmittag und am Abend behandelt werden sollten. (Eigentlich hatte ich mir fest vorgenommen davon ein Bild zu machen…)

Akteure im Programm weltwärts

Ein Mitfreiwilliger hat auf seinem Blog die Schwerpunkte der Einheiten sehr gut dargestellt: cagatay-geht-weltwaerts.
Im Groben ging es vor allem darum, herauszufinden das ich durch mein Umfeld geprägt bin und diese Prägung kritisch hinterfragt werden muss, um eher verstehen zu können, wie ein anderes Umfeld funktioniert. (Ein aufmerksamer Leser könnte sich jetzt an den ersten Beitrag erinnern.)

Alles schön und gut. Und was ist jetzt mit Entwicklungshilfe?

Seit den 1980er Jahren ist es nicht mehr üblich von „Entwicklungshilfe“ zu sprechen, vielmehr wird von „Entwicklungszusammenarbeit“ gesprochen. So soll verdeutlicht werden, das Länder in Afrika nicht „Empfänger von Hilfsleistungen [sind], sondern als gleichberechtigte Partner“ angesehen werden. (Quelle: BMZ)
Dennoch scheinen gerade bei der Entwicklungszusammenarbeit wirtschaftliche Interessen der Bundesregierung keine unbedeutende Rolle zu spielen und kann ein Land, das auf das Geld eines anderen Landes angewiesen ist, eine gleichberechtigte Rolle einnehmen?

Um auf das Zitat vom Anfang einzugehen, möchte ich folgenden Abschnitt aus einem Printmedium zitieren:

In Bezug auf die westlichen Entwicklungsgelder stellt Asserate fest, „dass der Westen etwa 800 Milliarden Euro Entwicklungshilfe nach Afrika gebracht habe (andere Schätzungen nennen den Betrag von bis zu zwei Billionen Dollar).

„Aber mehr als 600 Milliarden Euro sind in den Taschen afrikanischer Potentaten und korrupter Eliten gelandet – sie landeten dann auf Schweizer Konten oder wurden in Immobilien in Frankreich, London oder sonst-wo gesteckt.“ So schrieb Asserate jüngst in einem Gastbeitrag für die F.A.Z.

Wer profitiert von der Entwicklungshilfe oder der Zusammenarbeit am meisten?
Bin es vielleicht auch ich der in meinem Freiwilligendienst viel für das Leben mitnehmen kann?
Weltwärts ist ein Lerndienst und er ist für mich eine Weiter- Entwicklungshilfe. (Was ich dort erreichen kann werden wir sehen.)

Das sind u.a. Fragen die im Laufe des Seminars eine Rolle gespielt haben und man könnte feststellen, dass das Seminar durchaus politisch war. Das liegt wahrscheinlich auch daran, das es sich laut weltwärts- Beschreibung um einen „entwicklungspolitischen Freiwilligendienst“ handelt.

Es war auf jeden Fall spannend die Entwicklung der vielen jungen Leute und meiner Person zu beobachten. Ich glaube, wir konnten viel aus dem Seminar mitnehmen und uns weiterentwickeln. 😉

Jetzt muss ich mich aber um mein Visa kümmern.
Bis bald.