Ich bin motiviert.

Das Leben ist ein Spiel gegen die Zeit. – Das ist mir heute wieder sehr bewusst geworden. Ich wollte noch viel vor meiner Abreise nach Ghana erledigen, zu viel wie sich gerade herausstellt. Ich kann nur zusehen wie mir die Zeit, meine Zeit, durch die Hände rinnt und die Augenblicke genießen, die ich noch hier  in Deutschland habe.
In sieben Tagen hebt der Flieger nach London ab – und nein, ich habe mich nicht umentschieden,  einen Freiwilligendienst in Großbritannien (zum Thema politische Bildung) zu erleben. Ich werde mir in der britischen Hauptstadt nur den Heathrow Airport anschauen und dann einen Direktflug nach Accra, der Hauptstadt von Ghana, nehmen.

Es bleibt also nicht mehr viel Zeit darüber zu schreiben, warum ich motiviert bin, diesen Schritt bzw. Flug in eine andere Welt zu wagen. Ein (hoffentlich) fleißiger Blogleser hat mich schon vor einer längeren Weile angesprochen, dass seine Erwartungen enttäuscht wurden, da auf meinen Blog nichts zu meiner Motivation für dieses Jahr zu finden war. Damit ich seiner Erwartung doch noch gerecht werde, nehme ich mir jetzt die  Zeit, meine Gedanken mit euch bzw. dir zu teilen.

Das Motivationsschreiben ist für mich  das wichtigste Dokument, um  sich in einer Bewerbung vorzustellen. Wie der Name schon sagt,  es geht vor  Allem darum, sich selbst zu präsentieren. Scheinbar habe ich damals nicht zu dick  mit der Selbstpräsentation aufgetragen, denn ich wurde auf  ein Telefongespräch eingeladen.
Diese Stelle aus dem ,,letter of motivation“ war mir sehr  wichtig:

This means that I want to learn something about the mentality, the life and the problems of people in developing nations because this is a chance to try and get to the bottom of my world view and principles. I want to get a new perspective on life.
I know Germany is said to be one of the richest countries in the world, but knowledge and first hand experience isn’t the same. I would therefore like to witness the life of the people on site.
Moreover, I want to improve my English skills. 😉

Neben dem Hinterfragen der eigenen Ansichten, Einschätzungen und Werte standen auch andere Themen, wie die Flüchtlingskrise, nachhaltige Entwicklungshilfe, meine Ausbildung und Pegida im Mittelpunkt meines Motivationsschreibens (Wenn ich Zeit und Lust habe, werde ich diese Punkte auch noch intensiver ausführen.)

In dem darauf folgenden Telefoninterview war die Motivation dann auch wieder ein wichtiges Thema und ich durfte feststellen, dass die Erwartung eines Freiwilligen, die Welt durch seinen Einsatz bei der Organisation zu verbessern, nicht den Erwartungen von ijgd entspricht. Das sollte nicht  unbedingt das Ziel des  Jahres sein – die Welt zu verbessern. Des Weiteren  wurden meine Zeilen zur nachhaltigen Entwicklungshilfe kritisch durchleuchtet und ich durfte lernen, dass nachhaltig nicht unbedingt Nachhaltigkeit sein muss. (siehe dazu Meine Entwicklungshilfe)
Aber nicht nur meine Telefonpartnerin war motiviert (mich politisch zu bilden), sondern auch ich habe sie mit meiner Gedankenwelt gut gefordert. So sind wir statt der geplanten einen Stunde auf drei Stunden gekommen. Am Ende war meine Stimme etwas geschafft und ich glaube, das Ganze mitzuschreiben war auch nicht so lustig.

Dadurch, dass meine Entsendeorganisation das Programm auch kritisch betrachtet, wurde ich nur noch mehr motiviert. Ich konnte feststellen, dass einige meiner Gedankengänge mit denen der Entsendeorganisation  übereinstimmen.
Die Welt kann ich ja auch noch nach dem Jahr verbessern. 😉

Auf dem Vorbereitungsseminar in Dransfeld ging es dann neben vielen anderen Themen auch um unsere Motivation für das Jahr. Eine als wichtig empfundene Frage, die uns gestellt wurde ist: ,,Willst du weg oder willst du hin?“ – Ich möchte beides.
Zunächst seht ihr eine Collage eines Freiwilligen, die mir recht gut gefällt:

In dieser Collage sind Bilder zu verschiedene Themen dargestellt, die mir zum Thema Motivation für das Jahr auch durch den Kopf gegangen sind oder die ich gerade in einem Magazin gefunden habe.

Was ich noch dazu sagen muss: mit „Leb‘ los!“ ist das los leben, frei von Ängsten sein, gemeint. Ich hoffe das die Doppeldeutigkeit nicht von meinem Unterbewusstsein ausgegangen ist. Das wäre dann schon etwas unkorrekt.
Der Rest der Collage ergibt für mich auch irgendwie Sinn. Wenn etwas unklar ist, bin ich offen für Fragen in den Kommentaren.

Nach Ghana gehe ich, weil auf der weltwärts-Seite der Eintrag für mein Projekt ganz oben stand und ich mich darauf beworben habe. (Die Wahrscheinlichkeit für Ghana war deshalb recht hoch, weil es dort viele Einsatzstellen gibt.)

Ein weiterer wichtiger Punkt, warum ich nach Ghana gehe ist, dass es dort  keine Zecken und damit kein FSME gibt. Somit brauche ich keine Angst vor den kleinen Tierchen  haben und  muss mich nicht impfen lassen. 😉

Liebe Grüße
Jakob

Akwaaba! – Herzlich Willkommen!

Die Vereinbarung ist unterschrieben: ich fliege nach Ghana.

Wie viele andere Menschen steh ich vor einer Herausforderung: die Entscheidung was ich werden will und wer ich dadurch sein werde. Denn in unserer (westlichen) Welt, so scheint es mir, ist es nicht unüblich, sich durch einen Beruf oder ein Hochschulstudium zu definieren.
Deshalb fällt es mir wahrscheinlich auch so schwer, eine feste Entscheidung zu diesem Thema zu treffen.
So schiebe ich es lieber etwas weiter weg und plane mein nächstes Jahr.

So habe ich mich Anfang diesen Jahres dazu entschieden, mich für einen „entwicklungspolitischen Freiwilligendienst“ im Programm weltwärts bei der Endsendeorganisation ijgd zu bewerben und wurde nach einem längerem Telefoninterview angenommen.
(Ich empfehle der nächsten Generation sich so früh wie möglich bei ijgd zu bewerben, da die Plätze kontinuierlich vergeben werden. Ich hatte Glück.)
Hier habe ich das Projekt, auf das ich mich (auch) beworben habe, etwas umschrieben: ARA-15

Im Interview habe ich feststellen dürfen, das auch ijgd (selbst-) kritisch auf das Programm weltwärts im Kontext der Entwicklungshilfe schaut. Ab da war für mich klar, das ich meinen Weg mit ijgd gehen werde.

Und schon gingen die Vorbereitungsphase los: ich startete mit einer Konsultation meiner Hausärztin, bei der ein Gesundheitszeugnis auszufüllen war. Dann folgten die Gelbfieberschutzimpfung, die für das Visa nach Ghana nötig ist, und eine Hepatitis B-Impfung, da eine „Titer-Überprüfung“ negativ ausfiel.
Weiter Impfungen würden dann zu einem späteren Zeitpunkt folgen.

Ein weiterer Aufgabe in der Vorbereitungsphase ist der Aufbau eines Förderkreises. Das Spenderziel liegt bei 2700 € und es kann gerne auf der Seite Förderer werden mit verfolgt werden.

Beste Grüße
Jakob