Ghana – Der Stern von Afrika


Das ist ein Hit, der mich nun schon seit Anfang an in Ghana begleitet: Sei es auf der Straße, aus irgendeiner überdimensionierten Box, an der nächsten Tankstelle oder auf einer aufregenden holprigen Trotro-Fahrt.

Meinem aktuellen Gefühl nach, stellt dieses Lied das Lebensgefühl einiger Menschen in Ghana sehr gut dar. In dem Lied geht es neben Reichtum, wie kann es auch anders sein, um Liebe und (in dem Musikvideo) um einen jungen Mann der glaubt mit (s)einer Traumfrau unterwegs zu sein.
Die erste Zeile des Refrains lautet „I don’t wanna be a player no-more“ und beschreibt recht ausdrucksstark worum es in der hiesigen (Männer)welt gehen kann. Es geht dabei um den erbitterlichen Versuch jeder Frau die man(n) umwirbt (oder trifft) das Gefühl zu geben, die Einzige zu sein und das Verprechen auf Treue immer wieder neu zu geben.
Es gab schon mehrere Situationen, in denen ich das Umwerben von jungen Schönheiten beobachten konnte und dabei finde ich es immer wieder spannend,  wie viele Männer sich in solchen Situationen plötzlich nicht mehr verheiratet fühlen und geben.

Aber der Song zeigt auch wo der Fokus einiger Ghanaer liegen kann: auf dem globalen Norden. In den Strophen ist beispielsweise von den Kleidermarken Banana und Prada die Rede und das der Frau jeder Wunsch von den Lippen abgelesen und erfüllt wird. Aber auch von Fußballstar Cristiano Ronaldo und Nintendo wird gesungen. Fußball ist sehr beliebt und so eine Spielkonsole schon was Erstrebenswertes.
Traurig aber wahr: Die Menschen sind sehr auf „unsere Welt“ ausgerichtet und versuchen mit aller Kraft unserem Lebensstil nachzueifern. Dies geht soweit, dass selbst hochwertige „Made in Ghana“ Produkte als „foreign products“ deklariert werden, um verkaufsfähig zu sein. Ich denke, dass es Ghanaern einfach an Stolz für ihren westafrikanischen Stern fehlt, obwohl selbst Nachbarnationen den Entwicklungsstand Ghanas glorifizieren.
Doch wenn ich junge Frauen mit pinken Puschel-Pantoffeln auf der Straße sehe, finde ich es doch etwas übertrieben und fühle mich eher an schlechte Hollywood Filme aus den 80ern erinnert.
Der Wunsch unserer Welt näher zu kommen geht so weit, dass ich öfters dazu gedrängt werde, zu versprechen, die (meist unbekannte) fragende Person im Handgepäck mit nach Deutschland zunehmen.

Was für die Einen der Stern und eine bessere Welt ist, wird von den Bewohnern des Sterns als selbstverständlich angesehen und sie schielen zur nächsten Galaxie, mit der Hoffnung, dort ein noch besseres Leben führen zu können.
Menschen schätzen Dinge mehr wenn sie diese nicht haben.
Ich merke wie viel ein unbeschränkter DSL-Anschluss oder eine Toilette mit Klopapier und fließenden Wasser Wert sein kann und für manche Menschen in dieser Welt Wert ist.

Doch was macht Ghana zum Stern von Afrika und warum ist der Stern auf der Flagge abgebildet?

[…] Und der fünfspitzige Stern ist das Symbol afrikanischer Emanzipation und Einheit im Kampf gegen den Kolonialismus.

Ghana, das erste Land das (am 6. März 1957) den Weg zur Unabhängigkeit gefunden und somit die Straße für die Unabhängigkeitserklärungen anderer afrikanischer Länder geebnet hat. Doch es braucht Zeit zu sich zu emanzipieren und so fühle ich mich manchmal so, als ob das selbständige Denken nach 60 Jahren Unabhängigkeit in dem einen oder anderen ghanaischen Kopf noch nicht angekommen ist.
Wobei ich hinzufügen könnte, das im deutschen Schulsystem nach preußischer Tradition die Förderung des selbständigen Denkens auch nicht immer im Mittelpunkt steht (oder stand).

Ich vermisse kreative Köpfe, die das Land voran bringen und verändern wollen. Denker und Visionäre, welche die Situation nicht damit begründen oder rechtfertigen, dass sie in einem Entwicklungsland leben und es schon immer so gemacht wurde.

 

Sicher fragt sich der Leser, warum ich solange mit der Veröffentlichung gewartet habe. Als Grund dafür möchte ich meine persönliche Bewertung der Menschen in Ghana angeben, – und die Frage, ob mit diesem überspitzten Eintrag Stereotypen und Rassismus verschärft werden oder nicht.
Darf ich Menschen aus einer anderen Kultur bewerten? Darf ich meine einseitigen Eindrücke mit dem Wissen veröffentlichen, dass daraus eine Bewertung durch meine Leser aus einem anderen kulturellen Background (ohne Hintergrundwissen zu der anderen Kultur) entsteht?
Ich bitte den Leser noch mal Die Geschichte der farbigen Brillen zu lesen und im Kommentarbereich mir Feedback zu diesem Gedanken mitzuteilen.

Ich freue mich auf das Weihnachtsfest und das ich diesen Artikel jetzt doch noch veröffentlicht habe. #Schreibblockade

Frohe Weihnachten liebe (UN-)Bekannte, Freunde und Familie!